paintings ] close up ] photos ] snow ] night ] impressum ]

Eine Foto-Mal-Aktion von Chris Mennel

Tag der Wegwerftüten -  ein Kulturspaß von Chris Mennel

(...aber die Gemälde finde ich echt geil. Also es gibt hier Kulturernst)

(...fünf Jahre später ein Update: Yellow Bag Night :-)

Am 19.6.2012 ging ich aus dem Haus, um für "Brave New City" eine Foto-Tour zu unternehmen. Aus den Augenwinkeln sah ich die üblichen gelben Säcke, wie sie sich an den Hausecken türmten. Alle drei Wochen war es soweit, dass man diese Verpackungsmüllbehälter nach draußen stellen sollte, und der Mülldienst holte sie.

Beim Einsteigen ins Auto, mit umgehängtem Fotoapparat, klickte es in mir: Das ist Alltag. Das siehst du ständig und hast es deswegen längst nicht mehr gesehen. Es ist aber für den, der es zum erstenmal sieht - mag er aus fernem Land kommen oder ein Kind sein - eine rätselhafte Veränderung des Stadtbildes.

Ich lief etwa eine Stunde herum und fotografierte so ziemlich alle gelben Säcke des mittleren Abschnittes der Marbacher Straße, einschließlich meines einen eigenen Sackes, der sich an die vier Säcke der Nachbarn lehnte. Ein feindlicher Blick - "meine Säcke knipst du nicht" - und mehrere erstaunte Blicke verfolgten mich.

Eines der Fotos veröffentlichte ich in einer englischsprachigen Internetgruppe mit dem Kommentar: "On assorted days people place artworks of litter all over the street where I live in. Some hours later a big machine comes and destroys the artwork." Und tatsächlich kam eine Antwort aus den USA: 07:48:26 20/06/2012 "I am confused, Chris. The bags are the art, or the art is inside?"

Die deutschen Mitglieder der Gruppe erklärten eilig, wie normal die gelben Säcke wären, und dass ich mir einen Witz geleistet hätte. Ja, mit einem Augenzwinkern ist der Titel  "yellow bag day" verknüpft, und auch meine sack-knipsende Fototour grinste halb verlegen und tapfer humorvoll.

Am 25. und 26.6 aber knallte es in meinem Computer: Ich wandelte die Gelbsäcke in Gemälde um. Die ewig gleichen Aufschriften verwischten dadurch, sie wurden etwas fremd. Beim nahen Betrachten dann strahlten die aquarellisierten Säcke kontrastreich, gar pathetisch ihre müllige Botschaft aus.

Das ist nun die schnelle Geschichte und dann auch die dreiteilige Substanz dieser Ausstellung: Fotos, Großgemälde und malerische Ausschnitte versammeln sich in "Yellow Bag Day". Die Malmaschine wird kommen und Originale aus den Computer-Entwürfen zaubern. Die Müllmaschine hat meine Foto-Objekte längst abgeholt - hier aber bleiben sie.
   

Fort von hier geht es zu Phantaphoto, auch Inten.City liegt nahe. Ganz allgemein winkt das Kunstportal.
......................................................................................