Second Message - Serielle Strukturen verstecken ein räumliches Geschenk

Ein Workshopangebot von Chris Mennel

   
Das ist derzeit noch die Lücke in meinen künstlerischen Aufarbeitungen von Werken, die nur mit Computerhilfe erstellbar sind. Ich habe mich in Mosaikbildern verloren und mit Fraktalen kokettiert. Texturen sind in der Computerwelt so selbstverständlich geworden, dass kein virtuelles Objekt mehr schaffbar ist, bei dem die Texturierung als besondere Computerleistung erkannt wird. Auf einem Nebengleis habe ich auf mehrere klassische Bildschirmschoner als Erzeuger wunderbarer Bilder hingedeutet. Aber ich habe bisher keine Stereogramme erstellt.

"Stereogramme" sind Bilder mit dem Angebot, darin etwas Räumliches zu sehen. Es gibt zwei Versionen von Stereogrammen:

Testbild

Entweder sie enthalten ein verstecktes Objekt, das aus einem zweidimensionalen Bildgewusel bei entsprechender Betrachtungsweise auftaucht. Dieses versteckte Objekt muss technisch extra fotografiert werden und ist zunächst ein Objekt in Grauabstufungen, die Aussagen über seinen räumlichen Bau liefern. Es wird dann hineingerechnet in ein flaches buntes anderes Bild.

Oder "Stereogramme" bestehen aus seriellen Motiven, die sich von links bis rechts über ein Bild erstrecken. Bei entsprechender Betrachtungsweise entwickeln diese Motive ein "Hinten" und ein "Vorne" in mehreren Ebenen zueinander.

In beiden Fällen weise ich zunächst darauf hin, dass die Bilder, die zum Erzeugen eines Stereogramms erforderlich sind, wundersame Kunstwerke sind: Minimalkunst und serielle Kunst. Klar wurde nach dem ersten Erfolg eines Stereogramm-Buches ("Das magische Auge") jede Menge Schrott im Eiltempo produziert. Aber wir können, beruhend auf dem gleichen technischen Prinzip, da Kunstwerke errechnen lassen.

"Wir"? Ja. Ich biete die Herstellung künstlerischer Stereogramme als Workshop an. Ich fange vorher gar nicht an, mit dieser schönen Technik in die Kunst hinaus zu marschieren.

Und was ist mit der "entsprechenden Betrachtungsweise" dieser Stereogramme gemeint? Plump gesagt: Ihre Nicht-Akzeptanz auf dem breiten Markt. Nicht jeder kann die versteckten räumlichen Objekte entdecken. Nicht jedem öffnet sich ein Stereogramm in räumlicher Tiefe. Kurz gab es Plakatwerbung mit Stereogrammen, mit dem Problem: Fünfzig Prozent unglückliche Plakatbetrachter. Man muss mit den Augen wie in weite Ferne hinaus auf so ein Bild schauen. Das Gehirn muss seine Sichtweise umbauen. Tja. Klappt nicht bei jedem.

Das ist für mich als Künstler kein Problem. Viele Kunden wünschen sich, dass Kunst etwas Exklusives sei. Haha, bei Stereogrammen begegnen sie einer Exklusivität: Die Hälfte der Menschheit bleibt ausgeschlossen - vielleicht auch die Kunden, die sich Kunst als etwas Exklusives wünschen.

Kontakt: Chris Mennel, Marbacher Str. 34 A, 70435 Stuttgart, Telefon 0711-566959      Überseite:    Kunstcomputer     form.land     Portal