Chris   Mennel
KUNST

Kunst 2000
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Was ist nach 2000 noch Kunst?

Wissenschaft trifft Kunst: Inhalte statt Platzhalter sind erforderlich

Die Erste Welt auf Nabelschau: Scheußlich sieht das aus, ist aber unser Schlachtfeld
   

An all die alte Kunst: Applaus. Sie sieht echt gut aus. Und sie hat alles Terrain besetzt, das sich irgendwie als "Kunst" erfassen lässt. Alles?

... das ist zumindest doch mal ein Ansatz, mit dem nach 2000 dann das meiste gestrichen werden kann: "Du bist ein Gartenlaubenkünstler" darf man fast allem zurufen, was sich im Kunstbetrieb tummelt, "dein Ding war schon früher da. Da hat dein Ding etwas anders ausgesehen, aber dein Ding jetzt ist schlicht nachgemacht, aufgesetzt, kleinkrämerisch angesichts dessen, was früher schon da war."

Wunderbar hart sind nun die Maßstäbe, nach denen einige Werke außerhalb der von der Vorgeschichte vollgestellten Landschaft bestehen bleiben.

Um es kurz zu machen: Da gibt es eine Menge. Aber es hat Konturen, bei denen es dem Kunstsucher fröstelt. Brutale Verkaufsorientierung - Damien Hirst. Oder volle Volksunterhaltung - Duke Nukem. Gedankenfreier Kitsch - Gothic Lifestyle. Porno sowieso - auf zarterem Niveau ist alles Ausgezogene plattgekunstet.

Mir gefallen am besten die Versuche,
kluge Kunst zu machen. Das hat es eigentlich noch gar nicht gegeben :-) Und aktuell rede ich ja auch nur vom Versuch. 

Bei der "Ars Electornica" versuchten die Veranstalter 2011, Wissenschaft und Kunst zu kreuzen. Es wurde jedoch ein Anbeten von großen Gesten der Naturwissenschaft daraus. Kein Journalist, kein Kunstveranstalter oder irgendeiner der dort aufgrund offizieller Markt-Etablierung rekrutierten Künstler konnte mehr als herumplappern an dem, was die parallel eingeladene etablierte Wissenschaft bot. Dass ich sogar an dem Level dessen zweifele, was Naturwissenschaftler von sich geben, wenn ihnen ein Journalist auf die Zehen tritt, überdies sogar den Tiefgang zahlreicher Professoren der Naturwissenschaft nicht sehe, macht mir das Umreißen nicht leichter, was denn bitte kluge Wissenschaftsintegration als neue Kunstform sein könnte.
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Das soll Kunst sein? In der Absicht nicht. Als Symbol ja: Chris mit einem für Touristen (nicht von ihm) errichteten Korn-Monster.

Ich denke, kluge Kunst muss als erstes philosophisch aktuell sein - bitte nichts unter Sartre. Zweitens muss sie psychologisch zum Reflex imstande sein, beinahe alles an Menschenscheiße zu überklettern: Mit der Brille der Transaktionsanalyse kommunizierend, dabei die Gestalttherapie praktizierend.

Damit rast kluge Kunst ohne Entweichenkönnen ins Politische: 
Das Mörderthema der Ersten Welt, die allesfressende
Werbung, muss sie phagozytieren können: Fressen, verdauen, ausscheiden.
Zum Killerthema der Ersten Welt, der
Schuldenanhäufung in einem Konglomerat aus Demokratie-an-die-Wand-manövrierenden schuldenmachenden Regierungen, Banken und Investoren - das sind Menschen, die mehr Geld haben, als sie jemals bis ins hunderzehnte Lebensjahr für sich verbrauchen können, also etwa ein Promille der Bevölkerung - zu diesem Thema muss die Kunst, anders als die Journalisten, die im Fragen und Beschreiben versumpfen, bis zu Lösungen transzendieren, die die Gegebenheiten der Ersten Welt packen.

Von der "Ersten Welt" rede ich hier penetrant! Nur da gibt es überhaupt die neuen Konstellationen, aus denen dann auch neue Kunst kommen kann. Ein Künstler in Südafrika darf Müll-Amulette basteln. Wer aber einmal das achtminütige Lamento eines Teenagers über Nagellackfarben bei Youtube gesehen hat, der weiß, wo das nie vorher so Gelebte sich manifestiert und fremdartige Kunst gebiert.

Dekadent? Ja, aber voller Gejammer statt mit einem irgendwie klugen Snobismus. Arrogant? Ja, in tiefster Ahnungslosigkeit. Anmaßend, vergänglich, unnötig bis zum exzessiv Sinnlosen, hilflos im Mahlstrom der Gegenwart der Ersten Welt, so ist sie, die Kunst nach dem Jahr 2000. Dass ich hier von einer neuen
Pracht an Produktionen rede, die aber kein Kunstmagazin als "Kunst" würdigt, versteht sich von selbst.

Überblick und pubertäre Naivität. Jubeln mit Distanz. Erfahren sein und potentiell weiterhin radikal bleiben. Irgendwie sowas. Meine Kunst steuert da hin.