Schöpfung
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"Vor den endlosen Reihen saß ich und produzierte endliches Persönliches"

Szene auf der Insel Reichenau am 4.10.2014, malerisch aufgearbeitetet am 6.10.2014

"Am Anfang schuf Chris auf weißem Papier die Linie und sie gefiel ihm. Er fügte Tausende von Linien hinzu. Dabei malte er nicht mit Absicht, mit voller Konzentration. Er malte, wenn um ihn herum die Leute schafften. Oder eher: Wenn sie vor sich hinschlafften. Bei Besprechungen malte Chris, bei Reden irgendwo im Saal. Die typische form.land-Grafik entstand, um sozial lahme Zeiten zu überleben.

Schrittweise organisierte Chris sich ein Leben, bei dem er fast keine sozial lahme Zeit mehr hatte. Wesentlich dafür war, dass er all diese amtlichen Prüfungen hinter sich brachte. Er musste nicht mehr für Noten lernen. Und trickreich war, dass er keinen Job mit toten Zeiten ausübte. Entweder es gab heftig was zu tun, oder Chris war nicht da.

Chris saß nun unter anderem vor den Millionen Linien und wusste: Wenn du die so lässt, wie sie da nebenbei entstanden sind, dann landen die im Papierkorb. Chris sah da zwar einen Glanz, der aus den Linien hervorschien. Doch er war sich sicher: Die Augen der Mitwelt sahen das nicht. Also konzentrierte sich Chris zum erstenmal auf die anfangs nebenbei gemalten Linien, und arbeitete sie im Computer auf."

Bei mir hat das Schöpfen der form.land-Grafiken länger gedauert als die in der Bibel vorgesehenen sieben Tage. Hätte ich durchgeschafft, wären es sieben Jahre gewesen. In der Bilanz dehnt sich die Schöpfung der Grafiken von form.land quer durch etwa zwanzig Jahre.

Unbewusst habe ich scheinbar Belangloses gemalt, gemalt zumeist mit dem Kugelschreiber, damit es aussah, als würde ich das Zeug, von dem gerade die Rede war im Seminar, mitschreiben. Alsdann wurde viel Bewusstsein darauf verwandt, die Nebenbei-Gemälde durch Computer-Aufarbeitung maximal auf Bildschirm und Papier zur Geltung zu bringen.

Im letzten Satz steckt der weitere mögliche Fortgang der form.land-Schöpfungsgeschichte: Heraus aus Bildschirm und Papier kann nun das räumliche Hervorheben der Linien stattfinden. Da naht das Relief, da winkt die Skulptur. Und wenn schließlich die Malwerke mit räumlichen Formen freudig an der Wand hängen und im Saal stehen, dann rufen sie nach Konzert und Schauspiel. Dann naht auch noch die Möglichkeit, das, was einst aufs Papier rieselte, in einen Medienzusammenhang zu stellen.

Bis dahin darf es dauern. Immerhin ist die Computeraufarbeitung der Grafiken weitgehend abgeschlossen: Drucke und Bücher sind in Umrissen zu spüren. Ja, dieses Land ist weiträumig und eigensinnig. Willkommen in form.land.