Bundesverband für Jugendvideoarbeit (BVJA)

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Gibt es noch Filme außerhalb von Youtube? Welche Filme werden auf Festivals angenommen?
Warum drehen wir überhaupt Filme? Warum kümmern wir uns um die Kino-Aufführung unserer Filme?

nolove.jpg (8292 Byte) Bild links: Ketchupbeschmiertes Filmopfer aus dem Kurzspielfilm "No love song"


Derzeit existieren die Welten nebeneinander: Das neue Veröffentlichenkönnen von jedem zu fast jedem Thema im Internet - und die tapferen Filmkünstler, deren Werke man typischerweise NICHT in der Jedermann-ist-dran-Internetwelt bekommt, mit... ja mit welchem Unterschied zum Youtubefilm? Mit Kunstanspruch, irgendwie.

Das peinliche ist, dass die fetzigsten Kurzfilme auch schon platt im Internet stehen. Also es ist eher eine verschrobene Garde, die noch ins Kino und aufs Festival drängt. Kunst wird da zu gefühlten neunzig Prozent deutlich als verheimlichter Dilletantismus, als Stottern des Äußerkönnens ohne tiefere Basis. 

Irgendwie geht es um Liebe, und um einen filmischen Randgruppen-Protest bei den Kurzfilmwerken mit Substanz, die sich den kommerziellen Plattformen verweigern, die noch einer klassischen Jury hinterherproduzieren statt sich dem Volk zu entblößen. Liebe zum Nicht-Anbiedern. Liebe zum Ikebanahaften der Kunst - karg, merkwürdig, und darin charmant ist sie. Protest gegen Mechanismen, die verkaufen wollen. Wer auf Youtube sein Werk stellt, wirbt für Seife, Versicherungen, Autos, Kleider... wirbt für Scheiße, Scheiße, Scheiße. 

Über das kommerzielle Fernsehen wurde mal gesagt: Die wollen nicht eure Filme zeigen. Die wollen euch Werbung verkaufen. Die Filme sind die Spachtelmasse. Auch anfänglich inhaltsstarke Internet-Angebote wandern mit einer u.s.-amerikanischen Gesetzmäßigkeit in Werbeschrott hinüber. Filme mit Substanz verweigern diesen Schrottplätzen, sie zu vermarkten. 

Gewaltige Technik, phantastische Videos, ständige Festivals....

Hallo liebe Mitglieder! Habt ihr neue Videos produziert? Oder "nur" konsumiert: Feste besucht, Glotze geguckt? Wenn ihr weniger Videos produziert habt und mehr angeschaut habt: Ihr liegt im Trend...
Die Ordentlichen unter uns legen sich mittlerweile für jede Produktion einen richtigen Verteilungsplan an: Wagen wir den internationalen Videokunstpreis? Sind wir jung genug für "Jugend und Video"? Bewerben wir uns mit dem Werk an einer Filmhochschule? Sie produzieren sorgsamer, mehr zielgruppen- und weniger selbstgerecht als einst im Mai.
Die Süchtigen schaffen es im Laufe weniger Jahre, auf zahlreichen Fesitvals herumzureisen. Sie sind Eingeweihte. Sie kennen Filme, die die Welt nie kennen wird. Bis ein Drittel der Videos, die sie sehen, ihnen schon bekannt ist, und ein Drittel der Besucher ihnen mehrfach begegnet - das sind die andern Süchtigen aus dem engen Zirkel der Nachwuchsfilmer.

Und fast alle treffen auf das tragische dreimalige NEIN: Werde ich mit Video je berühmt? Wo bitte laufen in der Branche die Leute rum, die ich anbaggern möchte? Kommt da eigentlich jemals Kohle rüber?

Tja. Die Pionierzeit der Video-kann-jeder-Euphorie ist wohl vorbei. Da haben wir unsere Eltern erlebt, wie sie den Kasten mit durchgeschüttelten, unsortieren Fotos immer weniger pflegten und ganz heimlich mit der Fotografiererei aufhörten. Und nun häufen sich in immer mehr Video-AGs und Privatschränken diese schlechtbeschrifteten, halbbespielten, kurzgesichteten, ungeschnittenen Videokassetten und verkünden: So könnte ihr nicht weitermachen! Uns will keiner sehen, wir kosten bloß was!
So richtig zum Nachdenken über den kleinen Tod des Amateurvideos kommen wir aber nicht. Denn uns jagt die nächste Euphorie: Multimedia kann jeder! Bau dir deine Homepage! Layoute deine Weihnachtskarte! Führe ein tonbildtextinteraktives Tagebuch! Nur zu. Häufen wir neues Amateurwerk, bis es uns anbrüllt: So könnt ihr nicht weitermachen! Uns klickt niemand an, wir kosten bloß was!
Bei Video ist es unterdessen soweit: Träume werden spät wahr und deshalb nur matt wahrgenommen - Digitalkameras! Keine Kopierverluste mehr! 50 Kurzvideos des internationalen Videokunstpreises laufen einen Monat lang im Fernsehen - vor zehn Jahren lief da noch gar nichts...
Der eigenständige Videofilm befindet sich möglicherweise auf seinem Höhepunkt in Technik und Qualität, bevor er vom Nachfolger - Multimedia-Produktionen im Internet - dilletantisch überwalzt wird.
Was tun? Video genießen und ausnutzen. Staunen wir über die Unmengen guter Videofilme, die mittlerweile produziert sind. Und wandeln wir unser Staunen um in finale eigene Beiträge.

Chris filmt "Kontaktlinsen" in Prag

Explosion und Implosion im Videobereich

Okay. Die Filmfestivals blühen. Aber die Videoaktivitäten an der Basis, das mutige Treiben der Amateure, geht nach Eindruck des BVJA zurück. Videoarbeit wird im Jahr 2010 nach unserem Eindruck an Schulen nur noch etwa ein Fünftel so eifrig betrieben wie, sagen wir, 1990. Viele Filmgruppen reagieren auf keinen Schubs mehr, die Adressaten von Videomagazinen sucht man mit der Taschenlampe.
Dabei sitzen wir als junge Video-Handwerker theoretisch mitten in der Explosion: Preiswerte digitale Produktion von Design, Audio und Video sowie anschließende Kommunikation mit und über das Produkt rasen auf uns zu wie die Sterntaler aufs Märchenkind.
Praktisch-gesellschaftlich stecken wir aber in einer Implosion: Mit höhergeschraubten Prüfungsbergen und hohlen Inhalten werden wir durch Ausbildungen gequetscht. Die Schule hört gar nicht mehr auf. Jobsuche und viele Jobs sind quälender geworden. Glaubt bloß nicht, daß es kein Geld mehr in der BRD gibt. Es wird aber immer geschickter von uns ferngehalten. Und so verschwindet dann die Chance zur gesicherten Pause, hinter der ein Mensch z.B. sagt: "Ich denke, also filme ich."
Traum-Maschinen verarmen zu technischem Kram, Wunsch-Möglichkeiten treffen auf wunschlose Hektik.... Okay, stop. Organsiationsformen wie der BVJA sind nicht zum Jammern da. Über den Verband können wir, könnt IHR angreifen. Tun wir's.